Potentia Animi, Scary Bitches, Das Ich
XI. Klosterspektakel 9. Juni 2006

Es gibt wohl kaum eine bessere Lokalität in Greifswald für die dunkle Klangkunst als die so berühmte Klosterruine in Eldena. Und nachdem wir schon ein Jahr zuvor beim 10. Klosterspektakel teilweise dabei waren, stiegen wir 2006 richtig ein. Stand der Sonnabend wie gewohnt unter einem bunten, multikulturellem Stern, gestalteten wir den Freitag gewohnt dunkler. Leider beherrschte in diesem Jahr die Fussball-WM ganz Deutschland und so hatten unzählige Kulturveranstaltungen arg darunter zu leiden. So auch das Klosterspektakel, dem etliche Monate Vorbereitung vorausgingen. Wirklich nur angedeutet sei hier, dass solch ein Event wesentlich mehr Organisation erfordert, als es wohl jeder Gast an den Tagen selbst feststellen kann. Angefangen beim behördlichen Kram (Ordnungsamt, Umweltamt...), die ganze Logistik (Zäune, Toiletten, Strom...), der Werbung... Klar, dass es dafür unzählige Helfer bedarf, die daran beteiligt waren. Natürlich alles komplett ehrenamtlich!!! Denn es darf ja alles nichts kosten... So wie die Bands, die natürlich nur die größten und tollsten sein sollen, aber am besten auch für kein Geld spielen sollen...
Naja, kommen wir zu den Künstlern des Abends. Den Auftakt gestalteten die Mönche von Potentia Animi. Passender könnte es wohl kaum sein in den alten Gemäuern, die wie der Name es schon verrät auch schon damals von Mönchen bewohnt wurden. Ob die nun wirklich so lebten, wie es die Musiker von PA so propagieren, weiß man nicht.... unterhaltsam ist deren Lebensstil allemal. Dann folgten Scary Bitches, um auch etwas ausländisches Flair hineinzubringen. Aber für die verrückten Mädels war es doch wirklich noch etwas zu hell, hatten sie doch auch das Problem mit nur drei Frauen die große Bühne zu füllen. Sie gehören wohl eher in einen rauchigen, etwas stickigen Club... Dennoch verliehen sie dem Abend Akzente und werden wohl bei einigen Gästen noch lange Gesprächsstoff geboten haben. So durchgeknallte Frauen mit nettem Charme sieht man selten.
Anschließend neigte sich die Sonne dem Horizont und die Dunkelheit begann zu wachsen, als dann die Goth-Geschichte geschriebenen DAS ICH auf die Bühne kamen. Bruno Kramm mit teuflicher Frisur und sakraler Bekleidung positionierte sich hinter seinen beweglichen Keyboards. Sänger Stefan Ackermann sprang gewohnt spärlich bekleidet aufs Tapet, den Körper rot gefärbt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Ruine auch merklich gefüllt. Der Mond schien über die alten Mauern hinweg und alles sorgte für eine perfekte Atmosphäre. Mit gewohnter Akrobatik und Ausdrucksstärke besonders seitens des Herrn Ackermann gab es jede Menge alter Klassiker, ja auch "Gott ist tot" fehlte nicht, und ein paar neue Stücke. Ein schöne Auswahl, (ich freute mich sehr über "Lügen"), die wohl den Gästen auch gefiel und den Abend doch zu etwas besonderem für Klein-Greifswald machte.
Im Ganzen war das Klosterspektakel eine schöne Sache, nur leider stand der Aufwand in keinem Verhältnis zur Veranstaltung. Wenn dann auch noch die finanzielle Seite so problematisch wird, von den Beschwerden, "Oh, 10 Euro für drei Bands" wie Das Ich, für die man alleine schon mehr bezahlt, mal abgesehen, ist so eine Veranstaltung nicht tragbar. So gab es nach elf Jahren auch ein Jahr später kein 12. Klosterspektakel. Vielleicht findet sich irgendwann wieder ein blinder Idealist, der es erneut versuchen möchte. Eine schöne Sache war es auf jeden Fall....

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